Die Bahnlinie

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Großherzogtum Oldenburg das einzige deutsche Land ohne Eisenbahnverbindung. Erst die Anlage eines preußischen Kriegshafens am Jadebusen brachte das Bahnprojekt Bremen- Oldenburg- Heppens (später Wilhelmshaven) ein gutes Stück voran.

1864 genehmigte der oldenburgische Landtag den Bau der Strecke, und im Frühjahr1865 begannen die Bauarbeiten. Man hatte sich für eine Linienführung auf der Vorgeest, unmittelbar am Rande der hohen Geest entlang, entschieden, um die buckligen Welt der Geest zu meiden. Das “Hochplateau von Ganderkesee wurde mittelst eines großen Bogens gegen Norden umgangen”, hieß es in einer Festschrift von 1878. 

Diese Planung führte dazu, daß der Stenumer Raum von der neuen Eisenbahnlinie durchschnitten wurde. Wäre eine der beiden anderen Linienführungen, die auch zur Debatte standen, ausgewählt worden, würde es das heutige Schierbrok wahrscheinlich nicht geben.
Am Anfang standen Verhandlungen mit den Besitzern jener Ländereien, die von der Bahn berührt wurden. Auf den Höfen Kammern und Sahren sind die Urkunden über den Kauf der Ländereien durch die Oldenburgische Eisenbahncommission  noch erhalten. Der Hof Sahren mußte 13 Jück Land an die Bahn abgeben. Dafür wurden 500 Rth gezahlt. Weitere 800 Rth erhielt der Hofbesitzer für die infolge der Durchschneidung seiner Ländereien entstandenen Witschaftsbelästigungen. Das auf den verkauften Stücken stehende Holz verblieb den Verkäufer, der es auf seine Kosten rechzeitig fortzuschafen hatte. Da die Bahnlinie dicht an den Hofgebäuden vorbeiführte, behielt Jüchter sich Ansprüche, die sich aus der Feuergefährlichkeit der Bahn ergeben könnten, ausdrücklich vor.
Am Sonntag den 14. Juli 1867, fand die offizielle Eröffnungsfahrt mit Honorationen statt. Drei Zugpaare verkehrten nun täglich zwischen Oldenburg und Bremen. Die Ankündigung der “Oldenburger Zeitung”, “Das schnaubende Eisenroß wird auf der Eisenstraße dahinbrausen, durch die früher so stillen Felder” war Wirklichkeit geworden.